Strafvollstreckung : Überwachen und Strafen: Die Geburt des Gefängnisses

Überwachen und Strafen: Die Geburt des Gefängnisses

EUR 11,50


Pflichtlektüre zu Foucault - Überwachen und Strafen. Foucault s Diskursanalyse wie sie besser nicht sein könnte. Der Wandel von den körperlichen Martern hin zum Rückgriff auf die Seele des Häftlings. Die Disziplinierung des Körpers mit dem Aufkommen der Industrialisierung. Das Sprechen über die Strafe und natürlich die Organisation der Haftanstalten. Ja länger man liest, desto intensiver ist man an diese Bilder gebunden die Foucault entstehen lässt.

Die disziplinierte Gesellschaft - Viele Schüler haben es schon immer gewusst: Schule und Gefängnis haben einiges gemeinsam. Michel Foucault beschreibt in seinem Buch Überwachen und Strafen die Entwicklung des juristischen Strafsystems von der öffentlichen Anwendung von Martern -häufig bis zum Tod- hin zum, den Augen der Öffentlichkeit verborgenem, Entzug der Freiheit im Gefängnis. Dabei zeigt er, dass mit der Entwicklung der Gefängnisstrafen gleichzeitig die ganze Gesellschaft gefängnisähnlichen Strukturen unterworfen wurde -oder mit anderen Worten: Die Gesellschaft wurde diszipliniert.Zunächst fand diese Disziplinierung in den Institutionen statt. Beim Militär, in der Schule, in den Fabriken und Hospitälern wurde wie im Gefängnis, nur nicht so rigoros, über die Körper und die Zeit der Insassen verfügt. Sie hatten zu einer festgesetzten Zeit an einem festgesetzten Ort zu sein und mit Ausnahme der Kranken mussten sie auch bestimmte Aufgaben in einer bestimmten Zeit erledigen. Um dieses für die Gesellschaft nutzbringende Verhalten sicherzustellen, wurden die Menschen überwacht, Prüfungen unterzogen und, falls sie ein unerwünschtes Verhalten zeigten, bestraft. Mit dem Aufbau einer staatlich organisierten Polizei schließlich fand die Disziplinierung auch außerhalb der Institutionen statt und weitete sich auf die ganze Gesellschaft aus. Spätestens an diesem Punkt erkennt der Leser, dass auch heutige staatliche Maßnahmen wie die Computerüberwachung, das Sammeln von Fluggastdaten und Telefonverbindungen oder die Überwachung öffentlicher Plätze mit Kameras nicht nur der Terrorismusbekämpfung dienen, sondern dass sie auch eine moderne Art der Disziplinierung der ganzen Gesellschaft sind. Diese Erkenntnis macht das Buch heute noch interessant und aktuell, obwohl es sich mit der Vergangenheit beschäftigt und die Originalausgabe schon 1975 erschienen ist.

Gefängnis und Gesellschaft - In Überwachen und Strafen will Foucault mehr als nur die Entstehung des Gefängnisses nachzeichnen. Es geht ihm um die wechselseitigen Beziehungen zwischen Ökonomie, Politik und Wissenschaft, aus denen sich ein eigentliches Strafsystem gebildet hat. Als historischen Fokus wählt Foucault die Entwicklung der Strafen in Frankreich zwischen 1750 und 1850. In diesem Zeitraum wurde die öffentlich vollzogene körperliche Strafe durch die verborgen bleibende Haftstrafe abgelöst. Statt der körperlich schmerzhaften Züchtigung ging es nun darum, das Innere des Sträflings zu verändern. Die dabei angewandten Strafmechanismen sind für Foucault Ausdruck eines gesamtgesellschaftlichen Disziplinierungssystems. Unter Zuhilfenahme historischer Quellen entwickelt er seine Gedanken zur Entstehung der Disziplinen, die den Einzelnen in Form eines Normierungsnetzes umgeben. Das Gefängnis erscheint sogar als Ort, an dem durch das Sammeln von Wissen die Grundlagen für die modernen Humanwissenschaften gelegt wurden. Die nicht immer einfache Sprache ist Ausdruck des Bemühens, jedes simple Erklärungsmuster zu vermeiden. Dennoch ist das Buch streckenweise fesselnd und die Analysen zur Mikrophysik der Macht bleiben jederzeit nachvollziehbar.

Verinnerlichung der Kontrolle. - Die meisten glauben, das der Mensch im Laufe der Geschichte freier geworden sei. Wer Überwachen und Strafen von Foucault liest, könnte auch zum entgegengesetzten Schluss kommen. Der Philosoph zeigt nämlich mit profunder Kenntnis der historischen Quellen, dass beispielsweise Strafen und Kontrolle sich im Zeitalter des Feudalismus ausschließlich gegen den Körper des Verurteilten richteten. Im Zuge der Humanisierung des Strafvollzugs wurde dann auch das Innenleben des Deliquenten entdeckt, was dann eine ganze Justiz-Pädagogik mit sich brachte. Mittlerweile, so könnte man Foucault zu Ende denken, haben wir die Disziplinarmaßnahmen des Staates so verinnerlicht, dass jeder sein eigener privater Gefängnisdirektor geworden ist. Aber möglicherweise braucht Zivilisation den dressierten Menschen... :-)

Was Macht wirklich ist - [Z]u einer ausnutzbaren Kraft wird der Körper nur, wenn er sowohl produktiver wie unterworfener Körper ist. (S.37)Ein Buch, das mich nachhaltig beeindruckt. Foucault entwirft eine Theorie über ein Machtkonstrukt, das zwar keinen totalitären Herrscher besitzt, aber alle Subjekte, die in ihm leben, unterwirft. Alle im System werden überwacht, aber strafen paradoxerweise zugleich. Das Individuum ist zweifellos das fiktive Atom einer >>ideologischen>Disziplin




Überwachen und Strafen: Die Geburt des Gefängnisses